Indiens Wachstum verliert an Fahrt

Indiens Wachstum verliert an Fahrt

Indiens Wirtschaft wird nach Ansicht von Ökonomen der Citibank deutlich langsamer wachsen als bisher. Erste Investoren stellen bereits ihre Engagements in Frage. Insbesondere Versäumnisse der indischen Regierung bei der Modernisierung der Infrastruktur werden nach Schätzung von JP Morgan dazu führen, dass die indische Volkswirtschaft 2009 nur noch um 7,5 Prozent zulegt. Bereits für dieses Jahr rechnen die Analysten der Investmentbank nur noch mit 7,8 Prozent, nach 8,9 Prozent im Vorjahr. Damit verliert ein wichtiger Wachstumstreiber der Region deutlich an Schwung. Wie der indische Finanzminister feststellte, verlangsamte sich das Wachstum in fast allen Sektoren. Mit 7,5 Prozent Wachstum 2009 stünde Indien im internationalen Vergleich zwar noch beachtlich da, aber es ist nicht genug, um bei einer wachsenden Bevölkerung die Armut zu bekämpfen. Noch immer haben 30 Prozent der Inder nicht mehr als 1 US Dollar pro Tag zur Verfügung und 80 Prozent nicht mehr als 2 US Dollar.
Der indischen Regierung ist es trotz der boomenden Wirtschaft nicht gelungen, wichtige Wachstums- und Verteilungshemmnisse aus dem Weg zu räumen. Dazu zählen die marode Infrastruktur sowie eine aufgeblähte und korrupte Verwaltung, der es nicht gelingt, die gestiegenen Steuereinkünfte in sinnvolle Maßnahmen umzusetzen. Vor allem Indiens Bildungssektor ist hoffnungslos unterfinanziert. In einem Land mit einer Milliarde Einwohnern fehlen paradoxerweise qualifizierte Arbeitskräfte. Gebildete Inder profitieren deshalb derzeit von stetig steigenden Gehältern, während die Masse der Bevölkerung als unqualifizierte Beschäftigte in der Perspektivlosigkeit verharren. Auch für die Nachkommen dieser Bevölkerungsschicht sieht es nicht besser aus. Wer in Indien kein Geld hat, hat keine Chance auf Bildung und sozialen Aufstieg.

Einige ausländische Unternehmen haben wegen der gestiegenen Arbeitskosten bereits ihr Engagement in Indien in Frage gestellt. Andere halten sich wegen des weltweit abflauenden Wachstums zurück. Bereits heute hinkt Indien deutlich seinem Rivalen China bei ausländischen Direktinvestitionen hinterher. Ohne ausländisches Kapital wird Indien nicht in der Lage sein das größte Wachstumshindernis, die marode Infrastruktur, zu beseitigen. In einer kürzlich veröffentlichten Studie hat die Deutsche Bank berechnet, dass Indien um zwei Prozentpunkte schneller wachsen könnte, wenn es vernünftige Straßen, funktionsfähige Flughäfen und Häfen sowie eine stabile Energieversorgung hätte.

Foto:ddp

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