Der Eckrenter, der Traum aller Deutschen?
Der Eckrentner ist unser Vorbild, wovon die meisten Deutschen nur träumen können, denn er lebt nur in der Statistik: Der Eckrentner.
Doch in Diskussionen um die gesetzliche Rentenversicherung wird er oft herbeizitiert. Statistiker haben das Phantom 1957 ins Leben gerufen, als die Bundesrepublik unser heutiges Rentensystem einführte. Ihnen dient der fiktive Ruheständler als Beispiel für den durchschnittlichen Rentenbezieher. Doch wer erkennt sich in ihm wieder? Der Eckrentner ist 65 Jahre alt und hat exakt 45 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Dabei verdiente er stets das Durchschnittseinkommen aller Versicherten. So bekam er jedes Jahr einen Entgeltpunkt gutgeschrieben und erhält nun eine monatliche Rente von 1.195,20 Euro (West) beziehungsweise 1.050,30 Euro (Ost).
Wie realitätsfern der Eckrentner ist, zeigen die aktuellen Durchschnittsrenten. Sie liegen unter der statistischen Größe . Wegen langer Ausbildungszeiten und vorzeitigem Ruhestand erreicht heute kaum noch ein Arbeitnehmer die 45 Beitragsjahre des Eckrentners. Auch das Einkommen variiert während eines Arbeitslebens in der Regel. Besonders Frauen können von der Eckrente nur träumen. Sie verdienen laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung rund 23 Prozent weniger als Männer. Und: Kommen Kinder, pausieren sie meist im Beruf. So zahlen sie durchschnittlich nur knapp 29 Jahre in die Rentenkasse ein – 16 Jahre weniger als der Eckrentner.
Doch selbst mit der Eckrente lebt es sich nicht auf großem Fuß, denn Steuern schmälern das Alterseinkommen, und die Inflation schrumpft deren Kaufkraft. Überdies wird die Eckrente Prognosen zufolge in den nächsten Jahren sinken.
Ulrich Pfeiffer vom Forschungsinstitut empirica nennt Auswege aus der drohenden Altersarmut: die Lebensarbeitszeit durch kürzere Ausbildung, früheren Erwerbs- und späteren Renteneintritt verlängern oder frühzeitig privat Vorsorgen. „Wer dies alles nicht möchte, hat nur eine Alternative”, „den Konsumverzicht im Alter, was aber immer nur als Notlösung taugt, da Menschen eher auf steigenden und nicht auf sinkenden Wohlstand programmiert sind.”
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