Der Boom der Dienstleistungsberufe
Die Arbeitssuche war wahrscheinlich kaum jemals so schwierig wie heute. Das hat vielfältige Gründe und es würde auf jeden Fall zu weit führen, hier darauf genau einzugehen. Betrachtet man den Arbeitsmarkt, fällt aber gleich eines auf, nämlich dass immer mehr spezialisierte Berufszweige entstehen, auffällig viele davon im Dienstleistungssektor. Diese Entwicklung bringt mit Sicherheit genug Vorteile mit sich: Kleine Unternehmen und einzelne Selbstständige finden leichter Nischenbereiche, in denen sie kaum Konkurrenz fürchten müssen. Außerdem wird natürlich die Qualität der Arbeit entsprechend höher, je mehr man sich auf ein spezifisches Feld konzentriert. Ein Nachteil ist die fehlende Flexibilität, die mit Spezialisierung immer einhergeht. Ist der Bedarf in einer gewissen Branche plötzlich nicht mehr gegeben, bleibt selbst einem absoluten Experten seines Fachs nichts anderes übrig, als umzuschulen.
Wie auch immer man das interpretieren mag, ein Fakt bleibt, dass heute Berufe existieren, von denen vor hundert Jahren noch niemand geträumt hätte. Für konkrete Beispiele muss man nur in ein Branchenbuch schauen: von Airbrush-Studios, über Dekorationsassistenten und Foodstylisten bis hin zu Tiercasting-Agenturen gibt es ein äußerst breit gefächertes, buntes Angebot an Sparten. Auch hinter nicht ganz leicht entschlüsselbaren Bezeichnungen wie Grooming, Scribbling und Rigging verbergen sich Dienstleister Berufe. Eine Gemeinsamkeit, die etliche dieser „neuen“ Unterkategorien zu haben scheinen, ist, dass die erbrachte Leistung Kreativität erfordert, oder Kreativität sogar selbst die Leistung ist. Ob beim Gestalten von Räumen, von Produktverpackungen, Werbetexten oder Filmkulissen: Die Dienstleistung sind die Ideen und ihre professionelle Umsetzung.
Dementsprechend schwierig ist die Ausbildung für solche Tätigkeiten. Wo ein Tischler die verschiedenen Arten und Eigenschaften von Holz und die Möglichkeiten der Verarbeitung erlernen kann, ist es für jemanden mit Interesse an Fotografie oder Kunst sehr viel schwieriger, sich die nötigen Kenntnisse anzueignen und danach in diesem Bereich Arbeit zu finden. Der Unterschied besteht wohl nicht im Erlernen selbst, sondern im Nachweis dessen. Auch wer erfolgreich ein Konservatorium abgeschlossen hat, muss erst viel praktische Erfahrung sammeln und sein Können unter Beweis stellen, um sich in der Branche zu etablieren. Das Selbe gilt für den Bereich Marketing: natürlich kann ein bestimmtes Grundwissen durch Ausbildung erworben werden, sogar in eigenen Studienzweigen, danach aber gilt es, sich selbst weiter zu entwickeln, sich umzuhören, eben zu spezialisieren.
Es wird noch interessant zu beobachten, in welche Richtung sich die Berufswelt in Zukunft entwickeln wird.
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