Bertelsmann mit deutlichem Gewinnrückgang Konzern erwägt Verkauf des Buchgeschäfts
Berlin (ddp). Nach einem enttäuschenden Geschäftsjahr stellt der Medienkonzern Bertelsmann alle Geschäftsbereiche auf den Prüfstand. Dabei schloss der neue Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Berlin ausdrücklich auch den Verkauf einzelner Sparten nicht aus. Vor allem das angeschlagene Buch- und Musikclubgeschäft Direct Group könnte veräußert werden. 2007 musste der Konzern aus Gütersloh einen herben Gewinnrückgang hinnehmen. Der Gewinn ging aufgrund negativer Sondereinflüsse von 2,5 Milliarden Euro im Vorjahr auf 405 Millionen Euro zurück.
Der Umsatz sank den Angaben zufolge um 2,8 Prozent auf 18,8 Milliarden Euro. Ostrowski hob hervor, dass das Betriebsergebnis (Ebit) nur leicht von rund 1,9 Milliarden Euro auf 1,8 Milliarden Euro zurückging. Als Gründe für den Gewinnrückgang gab Bertelsmann den Verkauf des Musikverlagsgeschäfts, den schwachen Dollar-Kurs, die Vergleichszahlungen im Streit mit der Internet-Musiktauschbörse Napster, die Wertberichtigungen bei der Direct Group Nordamerika sowie die Kartellstrafe für den Werbevermarkter IP an.
Die größten Umsatzeinbußen verzeichnete der aus sechs Sparten bestehende Medienkonzern mit dem Bereich Direct Group. Das Ebit sank von 110 Millionen Euro im Vorjahr auf 10 Millionen Euro. Früher wuchs das Unternehmen Ostrowski zufolge mit Hilfe dieser «Kernzelle», der Buch-Club-Sparte. Jetzt seien die Verluste in erster Linie auf die schwache Entwicklung im US-Geschäft zurückzuführen. Dementsprechend kündigte das Vorstandsmitglied Peter Olson an, dass der Verkauf der Direct Group Nordamerika bereits eingeleitet wurde.
Nachdem der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr («Stern», «Gala», «Geo») im Rekordjahr 2006 kräftig zugelegt hatte, sank das Ebit 2007 um 13 Millionen Euro auf 264 Millionen Euro. Ein Verkauf werde aber nicht erwogen, betonte Ostrowski. Mit dem Dienstleister arvato wurde mit 366 Millionen Euro nahezu das Betriebsergebnis des Vorjahres erreicht. Der Buchverlag Random House büßte im vergangenen Jahr neun Millionen Euro auf 173 Millionen beim Ebit ein.
In der Musiksparte BMG, die unter anderem die Künstler Justin Timberlake, Michael Jackson und Jennifer Lopez unter Vertrag hat, ging das Ebit um drei Millionen Euro auf 93 Millionen Euro nach oben. Laut Finanzvorstand und BMG-Leiter Thomas Rabe gibt es keine konkreten Pläne, Anteile an Sony BMG zu verkaufen. Als Wachstumstreiber erwies sich den Angaben zufolge wie in den Jahren zuvor die TV-, Radio- und Fernsehproduktionsgruppe RTL Group. Das Ebit erhöhte sich um 143 Millionen Euro auf 978 Millionen Euro.
Für das laufende Jahr erwartet Bertelsmann nach eigenen Angaben einen moderaten Umsatzanstieg. Der Gewinn soll sich dagegen nach dem Wegfall der Sondereffekte deutlich erhöhen. Ab 2015 will das Unternehmen jährlich um mindestens vier Prozent organisch wachsen.
(ddp)
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