Ausstand bei der Lufthansa, der Kranich fliegt trotzdem
Berlin (ddp). Der am Montag begonnene unbefristete Streik des
Boden- und Kabinenpersonals bei der Deutschen Lufthansa hat zunächst
keine Auswirkungen auf den Flugverkehr. Bis zum frühen Nachmittag
hätte der Arbeitskampf der Gewerkschaft ver.di bei der größten
deutschen Fluggesellschaft kompensiert werden können, sagte
Konzern-Sprecher Wolfgang Weber am Montag in Berlin nach rund 900
regulär gestarteten Flügen. Am ersten Tag des Streiks traten ver.di
zufolge bundesweit rund 4000 Beschäftigte bis zum Nachmittag in den
Ausstand.
Betroffen vom Arbeitskampf waren nahezu alle deutschen Standorte
der Lufthansa. Der Fokus lag auf den Flughäfen Frankfurt am Main mit
dem Catering und Hamburg, dem Hauptsitz der Techniksparte. ver.di
hatte zuvor stets betont, dass es der Gewerkschaft darum geht, das
Unternehmen wirtschaftlich zu treffen und nicht möglichst viele
Flugausfälle zu verursachen. «Der Notfallplan der Lufthansa kostet
das Unternehmen richtig viel Geld», sagte ver.di-Verhandlungsführer
Erhard Ott. Catering bei der Konkurrenz einzukaufen oder Flugzeuge in
anderen Werften warten zu lassen, sei richtig teuer.
Der Konzern spürt nach eigenen Angaben «hinter den Kulissen» die
Auswirkungen. Wann sich die Arbeitsniederlegungen im Bereich Technik
auf den Flugverkehr auswirkten, sei schwer prognostizierbar, betonte
Weber. Es gebe ganz verschiedene Wartungsintervalle. Außerdem streike
auch in dieser Sparte nicht die gesamte Belegschaft und es seien
Gegenmaßnahmen seitens Lufthansa ergriffen worden.
Die Lufthansa ist nach eigenen Angaben auch auf einen längeren
Arbeitskampf gut vorbereitet, ohne auf Einzelheiten eingehen zu
wollen. Medienberichten zufolge sicherte sich der Konzern den Zugriff
auf Drittfirmen und kann Flugkapazitäten bei anderen Airlines nutzen.
Zu den dadurch entstehenden Kosten machte der Sprecher ebenfalls
keine Angaben. Ob es am Dienstag oder in den kommenden Tagen zu
Flugausfällen kommen werde, vermochte der Sprecher nicht zu sagen.
Passagiere sollten sich auf der Lufthansa-Homepage im Internet oder
unter der Rufnummer 0800 – 8506070 informieren.
ver.di fordert 9,8 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von
zwölf Monaten. Der Lufthansa-Vorstand hat vor allem mit Verweis auf
die sich verschlechternden Rahmenbedingungen eine Erhöhung vom 1.
Juli 2008 um 4,6 Prozent und vom 1. Juli 2009 um weitere 2,1 Prozent
bei eine Laufzeit von 21 Monaten und eine Einmalzahlung geboten.
Derzeit fordern sich beide Tarifparteien gegenseitig auf, wieder
an den Verhandlungstisch zurückzukehren. «Die Beschäftigten wollen am
exzellenten Ergebnis der Lufthansa teilhaben, dafür kämpfen sie»,
betonte ver.di-Verhandlungsführer Ott. Bezüglich der bisher
ergebnislosen vier Verhandlungsrunden erklärte
Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther im ZDF-«Morgenmagazin, dass
Lufthansa weiterhin «dialogbereit» ist. Die Kunden seien die Zukunft
der Fluggesellschaft. Das sollten auch die Streikführer wissen und
nicht am «Ast sägen, auf dem man sitzt».
Im DAX fiel die Lufthansa-Aktie bis 14.30 Uhr um 2,3 Prozent auf
15,09 Euro.
ddp.djn/nas/rab
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